Wann wird die KI-Blase platzen?

KI boomt auf Pump, die KI-Giganten müssen demnächst gigantische Rechnungen bezahlen. Wird die Politik am Ende noch eine andere Wahl haben, als einzugreifen?

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Der Anfang vom Ende. Seit einigen Wochen häufen sich die Warnsignale. Am 24. September gab der US-amerikanische Tech-Riese Oracle bekannt, dass er einen Anteil an einem Rechenzentrum in New Mexico nicht zahlen werde. Am 13. Oktober meldete der Chatbot-Dienst Character.AI Konkurs an. Die Marktkapitalisierung des Rechenzentrum-Erbauers CoreWeave hat sich seit Juni halbiert, also der Gesamtwert seiner Aktien in Umlauf.

Auf Pump. Die KI-Giganten, allen voran OpenAI und Anthropic, lassen überall Rechenzentren bauen. Wenn die Arbeiten im nächsten Jahr abgeschlossen sind, wird die Rechnung kommen. Allein Anthropic wird mehr als 500 Milliarden Dollar zahlen müssen. Da das Unternehmen 80 Milliarden zwischen Januar und Juni 2026 verloren hat, stehen die Chancen der Rechnungssteller ziemlich schlecht, ihr Geld schnell zu bekommen.

Konkurrenz. Derweil vollbringt generative KI weiterhin keine Wunder. In einer am 21. Oktober veröffentlichten Studie haben unter 9.000 Unternehmen in sieben Ländern vier von fünf angegeben, KI zu nutzen. Mehr als drei Viertel sagen, dass sich dadurch nichts an ihren Geschäften ändere (S. 42). Zudem nutzen die Unternehmen nun überwiegend Open-Weight-Modelle, die sie auf einer eigenen Infrastruktur betreiben können und deshalb viel billiger sind. Dadurch gehen den KI-Fürsten Einnahmequellen verloren, durch die sie ihre Schulden tilgen könnten.

Rettung. Um sich aus dieser Bredouille zu befreien, setzen die KI-Giganten auf öffentliche Gelder. OpenAI hat die US-Regierung letztes Jahr gebeten, für seine Schulden zu bürgen (und erklärte gleichzeitig gegenüber der Presse, keine staatliche Hilfe zu wollen). Auch der Chef von Mistral hat diese Idee vor einigen Wochen ins Spiel gebracht.

Virtuelle Maschinen. Eine weitere Lösung wäre die Monopolisierung von Rechenleistung. Der Rechenzentrum-Wahn hat die Preise für normale Computer schon steigen lassen. Es ist möglich, dass bald aktuelle IT-Komponenten nicht mehr verfügbar sind. Dann bleibt nur noch, Rechenleistung direkt bei Big Tech zu kaufen. Die Dienste Muse (Meta), Claude Bot (Anthropic) oder Dots (OpenAI) sind nichts anderes als virtuelle Maschinen – ein PC, nur gemietet.

Oligopol. Das ist das übliche Modell des Silicon Valley: Die massenhafte Nutzung eines neuen Produkts fördern und Preise drücken, und die Preise wieder erhöhen, sobald die Konkurrenz verschwunden ist. Aufrufe zu einer „Verlangsamung“ der KI-Entwicklung kommen ausgerechnet von den Unternehmen, die sie am schnellsten vorantreiben. Das ist kein Zufall: Bei diesen Initiativen geht es vor allem um eine bessere Koordination zwischen den KI-Giganten, was das Ganze fast wie den Versuch aussehen lässt, ein Kartell zu bilden.

Schutzgeld. Dieses Szenario ist könnte aus einem Gangsterfilm stammen. Seit August berichten die KI-Giganten immer häufiger von Cyberangriffen, auch gegen Regierungsdienste. Die bei diesen Angriffen eingesetzten Programme sind so autonom wie die Kugel, die aus einem Revolver kommt (auch sie bewegt sich von selbst). Wenn Unternehmen solche Straftaten begehen und sie auch noch öffentlich machen, wollen sie damit ihre Muskeln spielen lassen und werden vermutlich bald Schutzdienste gegen ihre eigenen Produkte anbieten.

Warnung. Genau darauf läuft ein Artikel hinaus, den Anthropic Ende September veröffentlicht hat. Das Unternehmen stellt darin ein chinesisches Modell vor, das ähnliche Fähigkeiten hat wie die von Anthropic. Natürlich warnt Anthropic Regierungen vor chinesischen Angriffen und behauptet, nur seine eigenen Dienste könnten sie wirksam schützen.

Politische Entscheidung. Solche Szenarien sind keine Verschwörungstheorien. Die KI-Giganten haben sich einfach Geld geliehen, das sie nicht haben. Sie suchen mit allen Mitteln nach Wegen, es zurückzuzahlen. Die Summen, um die es geht (rund zwei Billionen, doppelt so viel wie bei den Subprime-Krediten), sind so groß, dass Regierungen, allen voran Washington, keine andere Wahl haben werden als einzugreifen, um das Platzen der KI-Blase abzuwenden.